5 Jahre WIR…

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Lieber Jens,

seit 5 Jahren sind du und ich WIR

Mit meinem Koffer kam ich nach Berlin

und Du hast mich am Bahnhof abgeholt.

*

Mitten in dieser großen Stadt

die so riesig und neu für mich war

haben wir unsere beiden Leben zusammengeworfen

und waren Familie als ob´s nie anders war.

*

Du hast mir gezeigt was es bedeutet in Freiheit geliebt zu sein

bist bedingungslos und voller Hingabe an das Leben.

Du bist der mutigste Mann den ich kenne

nachtragend bist du nie.

*

Du warst auf der Suche nach einer tollen Frau

und bekamst gleich zwei.

Fünf Jahre danach seid ihr Männer in der Überzahl

und wir alle lieben das Hello-Kitty-Telefon.

*

Du hattest Krempel für mindestens 3 Haushalte

und mit Dir zog ein gefühlt unerschöpflicher Vorrat an Stoffbeuteln ein.

An manchen Tagen sehe ich überall

Stoffbeutel.

*

Danke für Deine Geduld wenn ich  mal wieder auf der Überholspur unterwegs bin

anstatt einfach mal zu warten.

Danke für Deine Liebe

die mich trägt.

*

Wahrscheinlich überall hin.

❤ Deine Anna

Ich freu mich darauf, jetzt gleich ganz allein mit Dir Essen zu gehen…

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Wo Zuhause ist

In der vergangenen Woche sind bei uns ein paar Würfel gefallen. Dazu gehörte auch die Entscheidung, dass wir weiterhin in Berlin wohnen werden. In den letzten Monaten standen Perspektiven im Raum, die einen Umzug an den Rhein bedeutet hätten. Wir hatten uns auf eine neue Stadt und eine grüne Umgebung mit viel Wasser und Bergen gefreut. Nun kommt es anders als gedacht. Wir sind hier.

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Im Juli habe ich viel Zeit im Garten meiner Kindheit verbracht. In dem einen Garten. Es gibt ja zwei. Der erste erinnert mich an Schubkarrenrennnen, über den Zaun klettern, kaputte Ostereier und herrlich stinkende Brennesseljauche. Dieser Garten ist lange Vergangenheit.

Der zweite Garten ist mir vertraut geblieben und schenkt jetzt meinen Kindern ebenso schöne Sommertage. Hier wachsen immer doch die selben Johannisbeersträucher und aufmerksame Leser wissen, was für leckere Marmelade sich aus ihren Früchten zaubern lässt. Wenn ich im Haus meiner Eltern den oberen Flur entlang gehe, machen die Dielen das selbe Geräusch wie bei meiner ersten zögerlichen Schritten darauf. Das ist 23 Jahre her und die Vorstellung, dass dieses neue Haus so ein Zuhause werden sollte wie unser altes fiel mir damals sehr schwer. Das ist es auch nie geworden. Zum Glück. Es wurde anders und ganz es selbst.

Heute für uns viele Stunden Zug- oder Autofahrt entfernt. Das ist manchmal gut und an anderen Tagen nicht so leicht auszuhalten. Dann, wenn ich am Telefon höre, wie mein Katerchen leise an der Tür maunzt. Wenn ich bei Oma am Küchentisch sitzen will, wenn meine kleine Schwester aus Australien zurück kommt und ich sie nicht mit wehenden Fahnen im Familiennest begrüßen kann. Dann, wenn meine Große mal ganz dringend ihren Papa sehen und anfassen will. Weil wir uns nicht hin und her beamen können, ist nicht alles möglich was sich das Herz in dem ein oder anderen Moment wünscht. Wenn ich meine Familie über 6 Wochen nicht gesehen habe, wird die Zeit  lang.

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Dann ist es gut mal wieder in den ICE zu steigen und zu reisen. Nach Hause, oder in die Heimat? Ist das ein Wiederkommen oder ein Besuch? Manchmal ist das je nach Fahrtrichtung unterschiedlich. Es gibt auch Zeiten, da fühlen sich beide Strecken wie der Weg nach Hause an. Manchmal auch nur eine oder keine. Dann verliert der Ort an Priorität und das zu Hause reist mit. Gut eingepackt in den schönsten Koffer den ich habe. Im Herzen bin ich überall zu Hause wo ich ich selbst sein kann und das auch bin. Auch das ist manchmal nur eine Entscheidung.

Berlin umarmt mich nun schon im vierten Jahr. Mal sanft und mal mit seinem rauem Ton, an den ich mich immer noch nicht wirklich gewöhnen will. Die Kinder haben hier viel Stadtleben gesehen und Natur erlebt. Auch das ist alles Berlin.

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Es sind nicht nur die dringend notwendigen Kackesauger, Glasscherben und Zigarettenkippen im Spielplatzsand. Es ist nicht nur der Winter, der unendlich grau und kalt ist in dieser Stadt. Es sind nicht nur die fehlendenden Sterne am Himmel und der Gestank, wenn die Müllabfuhr kommt.

Ich war noch nie sie oft und so lange krank wie hier, aber meine Gedanken waren noch nie so gesund! Ich habe hier eine Leichtigkeit kennen gelernt, die ich vorher wohl oft vermisst habe ohne es zu wissen. Berlin hat uns in seine Arme genommen und wir waren im Grunde nie Fremde hier.

Unsere Jungs sind hier auf die Welt gekommen. Die große Schwester hat gelernt, wie man sich prima in der Großstadt zurecht findet und ihre Freunde gefunden.

Hier hat Alice Schwarzer mich in den Arm genommen und meiner quengelnden Tochter liebevoll zugezwitschert: “Na kleines Fräulein, gehört die Mama Dir ganz allein oder darf sie auch noch ihr eigenes Leben haben?”

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Und manchmal kann Zuhause auch in einem Schrank versteckt sein, der ein Leben begleitet und jeden Ort gesehen hat, der Heimat bedeuten kann. Die Aussicht darauf von meinem Lieblingsplatz aus ist wie ein tiefer Atemzug schöner Momente, die man in sich aufsaugen kann.

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Nicht zu vergessen die besten Schwiegereltern der Welt, mit denen ich gleich zweifach gesegnet bin. Die einen haben die schönsten Blumen im Garten, die anderen den besten Ausblick vom Balkon.

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Wohin es das Herz auch zieht… Wenn´s mal schnell gehen muss gibt es hier zu guter letzt noch die Airline mit den Schokoherzen. Solange es noch den Flughafen Tegel gibt und ich bin sicher den gibt es noch seeeeeeehr lange ;-), ist der Weg nach Hause, wo immer das ist, nur einen Luftsprung entfernt…

Sommergarten

Wenn ich mit den drei kleinen Zauberern meine Eltern besuche und es endlich Sommer wird, verbringe ich viel Zeit im Garten meiner Kindheit. Es sind Ferien, wir haben keine festen Züge gebucht. Das fühlt sich nach Freiheit an.

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Meist nehme ich mir viel vor, für die Tage an denen ich hier bin. Ich möchte dann die Zeit nutzen um Freunde zu treffen und die Familie zu besuchen. Oft sind meine Pläne viel zu groß für die kleine Zeit. Der Gedanke an Autofahrten und Herumreisen mit den Kindern löst mehr Stress als Vorfreude bei mir aus. Sie genießen die freie Zeit und das liebevolle in den Tag hinein leben mindestens so sehr wie ich. Diesmal habe ich bewusst kaum Pläne gemacht oder nachträglich geändert.

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Nach 7 Tagen fängt so was wie Erholung an. Ich spüre, wie ich beginne aufzutanken. Energie, Ruhe, Lebenskraft. Einfach wunderbar. Nach 10 Tagen bin ich voll und ganz angekommen im Urlaub.

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Der Johannisbeerstrauch fühlt sich nicht nur nach Kindheitserinnerungen an. Er fühlt sich an wie immer und das ist so viel besser. Denn zwischen mir und dem Garten meiner Kindheit liegt nichts als Zeit. Wir sind hier. Die Erdbeeren, Kirschen, Kräuter, Johannisbeeren, unreife Stachelbeeren und ich. Dieser Sommer ist für mich wie nach Hause kommen.

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Gestern haben wir reichlich Früchte geerntet und daraus ist leckerer Sommergarten in Gläsern geworden. Weil ich die Kombination von Erdbeeren und Pfefferminze toll finde, habe ich eine neue Marmeladenvariation ausprobiert.

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Fruchtig, frisch und rosig ist sie geworden… Für viele sommersüße Momente im ganzen lieben langen Jahr…

800g Erdbeeren, die Blätter von zwei Minzezweigen, eine Hand voll Rosenblätter plus 400g Gelierzucker. Wie bei Marmelade so üblich, zerkleinert, zubereitet, eingekocht…. Wie mögt ihr Erdbeeren am liebsten? Vielleicht mit Basilikum? Traut Euch zu experimentieren mit frischen Früchten und euren liebsten Kräutern. Ich probiere heute Johannisbeere-Vanille-Gelee.

Wedding wednesday

Vor einiger Zeit fiel mir ein ganz besonderes Buch in die Hände. Ok, ganz von alleine fiel es nicht. Ich habe es bestellt, weil ich es unbedingt kennen lernen wollte. Vielleicht kann ich Deine Neugierde wecken, es zu lesen und wahr zu machen. Ich kann sagen: Es wirkt und es fühlt sich großartig an!

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“Nein, ich mache keine Witze. Heirate Dich, bejahe Dich selbst. Das ist nicht nur ein Spiel, unterschätze  nicht die Wirkung eines bewusst vollzogenen Rituals. Es wird Dich verändern.” (Veit Lindau in seinem Buch HEIRATE DICH SELBST)

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Mit ganz viel Sonne im Herzen!

Wenn ein Baum ins Wanken gerät

IMG_4653Ich sagte zu dem Engel, der an der Schwelle des neuen Weges stand:

“Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegen gehen kann!”

Aber er antwortete: “Geh nur hinein in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes.

Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg.”

(Quelle: Stiftung Marburger Medien)

Ich meide Negativnachrichten im Fernseher und im Radio. Nicht, weil es mich nicht interessiert, was in der Welt passiert. Doch ich weiss, dass es wichtig ist zu filtern, was ich alles in mein Kopf, in mein Herz lassen will. Das jeden Tag schlimme Dinge passieren wissen wir alle. Dass jeder seine kleine Welt um sich herum jeden Tag mit Liebe überschütten und somit dazu beitragen kann, dass das “Große Ganze” besser und gesund werden kann, ist eine Tatsache.

Nun wurde meine kleine Welt vor zwei Tagen erschüttert durch die Nachricht, dass sich in meinem kleinen Heimatkaff, meinem unberührten Rückzugsort, ein Amoklauf ereignet hat. Auf die Details möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Ein Mann, dem es anscheinend schon länger sehr schlecht ging, ist ausgerastet und richtete Trauer und Bestürzung an mit seiner Tat. Drei Menschen aus meiner Nachbarschaft haben einen wunderbaren und aufmerksamen Schutzengel an ihrer Seite gehabt. Drei aus der Familie des Täters sind gestorben.

Es mischen sich Gefühle von Bestürzung und Mitgefühl für die Menschen, die direkt vom Geschehen betroffen sind. Weit weg von meiner Heimat spüre ich die dunklen Wolken, die dort den Himmel im Augenblick verdunkeln und kann nur erahnen wie es Euch dort gerade geht.

Und dann ist da noch ganz viel Dankbarkeit. Dass in den schlimmer Ereignissen auch ganz viel Gottvertrauen spürbar wird, weil nicht mehr passiert ist. Weil diese Schutzengel da waren. Weil es einen Weg durch die Dunkelheit gibt, der sicherer ist als ein bekannter Weg.

Ich zünde eine Kerze an für meine Heimat, den Zusammenhalt der Menschen, die betroffenen Familien. Und eine für den Mann, der keinen Ausweg mehr sah.