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Yes, we can! – Bahnfahrt mit links

Freitag war nach längerer Zeit wieder einmal Reisetag. Mit drei Kindern um die Welt bzw. von Berlin nach Köln. Ich habe es wieder getan, obwohl ich schon mal gesagt habe, ich mach´s nie wieder. Da war ein Vormittag mit einem Baby das um 6:30 das Elternbett voll gekotzt hatte.(Nachwirkungen von der Streuglitzerampulle der großen Schwester, deren Inhalt ich vorgestern im Babymund wieder fand?)

Der Beschluss, dass zwei Outfits plus das am Körper pro Person für eine Woche Herbstferien ausreichend sind war schnell gefallen, nachdem ich um 11 Uhr immer noch nichts weiter getan hatte als gestillt und gestillt und ein Glas Wasser getrunken und ein Rührei gegessen.

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Wir erreichten den Berliner Hauptbahnhof nach zäh fließendem Baustellenverkehr um 13:44 Uhr. Um 13:46 waren wir schon auf der zweiten Rolltreppe und der Liebste sprintete herbei, nachdem er das Auto schnell quer im Taxistand abgestellt hatte. Eine sehr nette italienische Dame übernahm ohne zu zögern die Lunch-Tüte, obwohl das Glas mit den Ravioli in der Tomatensauce nicht ganz ungefährlich aussah und um 13:47 waren wir drin im ICE. Noch ein Kuss, piep, Tür zu.  Der Liebste blieb zurück in Berlin mit dem größten Wohnungschaos seit unserem Einzug und ich stand mit drei Kindern im rollenden Zug. 6 Wagenmeilen lagen zwischen uns und unseren reservierten Plätzen. Umgekehrte Wagenreihung sollte verboten werden! (Mein persönlicher Geheimtip für Bahnfahrten und eventuelle Sprinteinheiten am Bahnhof: Cashmere. Denn so ein kuschelweicher Pullover direkt auf der Haut getragen sorgt für bestes Reiseklima und verzeiht auch den ein oder anderen Schweißausbruch beim Kinder-und Gepäckschleppen.)

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Es folgte kein großes Durcheinander und keine Fahrt am Rande des Wahnsinns über die man frühestens 37 Monate später mal aus reiner Situationskomik heraus lachen kann. Die Bedingungen waren hart. Sehr hart.

– Immer noch fast 1,5 Stunden Streckenverlängerung wegen Hochwasserschäden

– Ein Baby (blass, aber gut gelaunt) bei dem der Mageninhalt zwar den richtigen Weg kennt, aber in seiner Konsistenz nur als absolut dünnflüssig beschrieben werden kann

– Koffer, Tasche, Tasche, Tüte, Kinderrucksack, Kind im Ringsling

– Total überfüllter Zug (und damit auch alle Gänge)

– Keine Freiwilligen

– Keine Zivis

– Keine Bahnhofsmission

– Zugpersonal das freundlich Gratiszeitungen an die Fahrgäste verteilt (zur Besänftigung dieser ) und dabei zusätzlich im Gang verweilt (die Auswahl an Tageszeitungen ist ja riiiiiieeeesig!!)

– Kleine Jungs mit stinkenden Pizza-Stücken in der Hand, die das Mutter-Kind-Abteil bewachen und kauend “hier ist voll” grunzen

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Was soll ich sagen, der Nervenzusammenbruch blieb aus. Im Gegenteil. Ich war die Tiefenentspannung in Person. Parkte die Kinder vor den Augen des Pizzafressers im Mutter-Kind Abteil, wuchtete unser Gepäck freudestrahlend bis in die letzten Tiefen von Wagen 37, vertrieb freundlich die Mitreisenden, die sich etwas zu früh über den reservierten und noch nicht besetzten Vierertisch gefreut hatten, holte die Kinder nach und war 5 Stunden und 34 Minuten die Ruhe selbst. Dabei sah ich selbstverständlich blendend aus, wechselte drei überlaufende Windeln beim Baby über dem Waschbecken der normalen Toilette (Wickeltisch war ja 4 Wagenreihen weiter weg). Hinterließ keine Spuren, fegte Krümel, schlichtete Streit, verteilte gesundes Essen und Trinken und als das alles nicht mehr half feierten wir eine Gummibärchen-Party (gab es neben den Gratiszeitungen in reichlichen Mengen) und ich nahm dem vorbeirollenden Snackverkäufer dankend eine Flasche Cola ab. Große Schwester und kleiner Bruder tingelten einmal zum Boardrestaurant und kamen mit zwei Magnum-Mandel zurück (“Ach ja Mama, du wolltest ja ein Stück Kuchen, haben wir ganz vergessen. Hier ist dein Restgeld.” Nach zwei Dritteln gaben sie auf. Ich durfte die Reste essen und teilte mit dem Baby. Alles andere wäre vor seinen kleinen großen Augen nicht zu rechtfertigen gewesen. Im süßen Koma überstanden wir Hagen und Wuppertal ziemlich gut. Wir hatten viel Spaß mit kleinen Buchstabenwürfeln, die ich als Überraschung eingepackt hatte.

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Beim Aussteigen half uns ein sehr netter Mitreisender, der unser waghalsiges Abenteuer wie folgt kommentierte: “Kompliment wie Sie das machen. Ich habe drei Enkelkinder im gleichen Alter und würde niemals alleine mit denen Zug fahren.”

Ja, ich bin auch sehr zufrieden mit mir. Ach, eigentlich mehr als das. Ich denke ich bin tatsächlich so etwas wie Wonderwoman.

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5 thoughts on “Yes, we can! – Bahnfahrt mit links

  1. ❤ Du machst das total super!

    Ich bin schon gespannt auf unsere Bahnfahrt nach Bochum im November. Das wird mein erstes Mal alleine mit beiden Kindern außerhalb von Berlin. 😉

  2. Liebe Wonderwoman,

    ich wünsche Dir ein paar ganz erholsame Tage während derer Du die Wunder anderen überlassen darfst.
    Liebe Grüße
    Dein
    Landei

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