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Elternzeit… ab in die Verlängerung!

In der Woche vor dem ersten Geburtstag des Kleinsten gibt es ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Ich staune wie oft jetzt die Frage aufkommt, wann, wie und wo der Kitabesuch beginnen soll. Die Familienpolitik in Deutschland hat es in den vergangenen Jahren geschafft ein Modell zu etablieren, dass kaum Zweifel an dem marktüblichen Vorgehen aufkommen lässt, dass  mit dem ersten Geburtstag und damit einhergehend dem Ende von Elternzeit und -geld, der Nachwuchs an die geregelte Arbeitswoche von Montag – Freitag heran geführt wird.

Das geschieht zunächst einmal schleichend. Mit der “Eingewöhnung”. Ich kann nicht genau sagen warum, aber für mich klingt dieses Wort immer ein bisschen nach Hundeschule. Ich mag es nicht im Zusammenhang mit kleinen Kindern, die gerade eben noch Babys waren und es vielleicht die meiste Zeit immer noch sind. Die, wenn sie ihren Instinkten folgen dürfen, erst ganz langsam beginnen ihren Aktionsradius zu erweitern und sich auch mal ein paar Minuten nicht umzudrehen. Wie groß ist die Freude wenn sie es dann tun und Mama oder Papa sind immer noch da. Die schleichende Entziehungskur, bei der Mütter mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ihr weinendes Kind zurück lassen und selbst ihre Tränen hinunter schlucken…. es liegt für mich so fern von jedem Verständnis das normal oder angemessen zu finden.

Ich habe heute einen sehr wichtigen Satz gehört, der besonders gut in diesen Zusammenhang passt:

“Was du fühlst, ist immer richtig.”

Dabei ist es entscheidend genau hin zu spüren, WAS du wirklich fühlst. Frei von äußeren Umständen und Erwartungen. Ich meine diese ganz eigenen Gefühle die der Quelle Deines Herzens entspringen.

Ich meine keine “ach ja, die Erzieherin hat mir eine sms geschrieben, dass er/sie/es nach 10 Minuten schon alles vergessen hatte und mit den anderen Kindern gespielt hat”- Gefühle.

Ich meine Gefühle und Überzeugungen, die so sicher und unumstößlich sind, dass Zweifel von außen keinen Platz in uns finden. Einen inneren Kompass, der kein Nachschlagewerk braucht und von Statistiken nichts wissen will. Den haben wir alle. Er muss nur ab und an mal wieder eingenordet werden. (Beim i-phone erscheint bei einer Kompassstörung die Bitte auf dem Display, das Gerät in der Form einer liegenden Acht hin und her zu bewegen. Interessanterweise können wir mit derselben Übung unsere beiden Gehirnhälften miteinander synchronisieren. )

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Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es Umstände gibt, die sich nicht gerade nach Handlungsfreiheit anfühlen. Besonders dann, wenn man alleine mit seinem Kind lebt oder es eine andere familiär bedingte Situation gibt, die scheinbar nicht anders gelöst werden kann. Die Einführung des Elterngeldes war eine schöne Sache, die die Wertschätzung von Kinder-haben-wollen und bekommen und großziehen etwas mehr in den Focus der allgemeinen Aufmerksamkeit gerückt hat. Leider nur scheinbar und leider nur für einen Moment. Denn wie es aussieht lädt es längerfristig nur dazu ein, schnell mal eine Schwangerschaft und ein einziges Jahr als Vollzeit-Mama zwischen zu schieben. Viele Frauen sorgen sich um ihre Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie zu oft und zu lange wegen Kindererziehungszeiten “ausfallen”.

Nun werden die vielen aus dem Boden gestampften Kita-Plätze für unter Dreijährige als das Geschenk des Himmels für die Familien gepriesen, die nicht wissen wohin mit dem Nachwuchs. In Wirklichkeit ist es ein Geschenk des Staats an sich selbst, denn wo viele Mütter arbeiten gehen fließen auch reichlich Steuereinnahmen. Wer hat hier jetzt wirklich etwas gewonnen?

Da wo Kinderaugen weinen und das Mutterherz blutet, weil beide Seiten nicht wirklich bereit sind für viele Stunden am Tag voneinander getrennt zu sein, wo es für die kleinen Entdecker noch so viel Routine und Alltagsgeschehen zu lernen gibt, Zuhause und unterwegs, im Zusammensein mit den Eltern, da besteht Handlungsbedarf an allen Ecken und Enden wenn Familien nicht in der Lage sind, das finanziell zu kompensieren. Dass die Kleinen sich wohlfühlen und “endlich mal mit Gleichaltrigen zusammen sein können”, ist entwicklungspsychologisch betrachtet für Kinder unter drei Jahren völliger Unsinn. Abwechslung werden sie genießen und ein vorsichtiges Aufeinander zu gehen auf kleine Altersgenossen ebenfalls. Dass sie sich dabei rundum wohl fühlen, wenn sie jederzeit in Mamas Arme zurück kehren können steht außer Frage.

Sie sind so klein und wollen es auch noch bleiben. Jeder Schritt von der Mutter weg bedeutet ein großes Abenteuer. Sicher sind Kinder in großem Maße anpassungsfähig, allein schon aus Selbstschutz.  Die frühe Eingewöhnung in Kindertageseinrichtungen ist und bleibt aus meiner Sicht kein Fortschritt sondern eher das Gegenteil. Gegen das Betreuungsgeld wird gerne gewettert. Oft von Müttern, die es nicht in Anspruch nehmen. Ich habe mich öfter gefragt warum. Vielleicht auch eine Art Selbstschutz, weil es den eigenen Standpunkt gefährdet, den man nie wirklich bezogen hat.

Auch das sind Gedanken, rund um den ersten Geburtstag. Ich wünsche mir eine Gesellschaft ohne traurige Abschiede und weg gewischte Tränen auf beiden Seiten der geschlossenen Kita-Tür. Einen Rahmen für Familien, der eine lange gemeinsame Zeit ohne Fremdbetreuung möglich macht.  Dann, wenn ein Kind morgens fröhlich aufsteht und schon selber sagen kann: “Mama, ich will in den Kindergarten”, ist der richtige Zeitpunkt die ersten Schritte in ein paar elternfreie Stunden zu gehen gekommen.

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One thought on “Elternzeit… ab in die Verlängerung!

  1. Wunderbar geschrieben,
    meine Mutter hat mich vorhin angerufen und mir erzählt, was Du für einen schönen Blogbeitrag ins Netz gestellt hast. Auch ich kenne Mütter deren Herz zwar blutet, die aber denken das einzig Richtige zu tun. Aber ich kenne auch die Situation in der man einfach nur genervt aus dem Hausfrauenalltag raus will und Großmütter oder Babysitter für die kurze Auszeit unbezahlbar sind.
    Liebe Grüße
    PS: Lass mal von Dir hören!

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