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Danke Max – DB advanced

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Wer immer schon mal ein Survival-Training erleben wollte und dafür nicht unbedingt den australischen Dschungel aufsuchen möchte, dem empfehle ich eine Reise mit der Deutschen Bahn während einer Zeit von “längerfristigen Verzögerungen im Betriebsablauf”. Dann unbedingt als Mitreisende “3 Kinder von 0-6 Jahre” als Option mit hinzu buchen (Achtung! Nur für Fortgeschrittene!!) Wer das ganz große Kino haben möchte, nimmt ein Upgrade in die erste Klasse für alle. Und los geht der Spaß. Wenn du es geschafft hast mit deinen kleinen Kängurukindern pünktlich am Bahnsteig zu stehen und die Einfahrt des Zuges erwartest, der wegen dem Hochwasser heute eine Stunde früher(!) fährt, hast du dich zur Teilnahme qualifiziert.

First Step: Reaktionstest am Bahnsteig. Noch bevor der Intercity Express in den Bahnhof einrollt, tippt Dir eine sehr aufmerksame Artgenossin auf die Schulter mit dem Hinweis auf den armen, armen armen schlafende Nachwuchs auf deinem Rücken. Du hast das jüngste Gepäckstück in ein kuscheliges Tuch auf deinen Rücken gebunden wo es in menschenverachtender Weise OHNE eine Kopfstütze gerade in den Schlaf findet. Du zuckst mit den Schultern und schickst die Artgenossin zurück in die Büsche zu ihrem Stehplatz neben ihrem eigenen Nachwuchs in der Einzahl, hinter dem Getränkeautomaten.

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Second Step: Nachdem du die argwöhnische Artgenossin in die Flucht geschlagen hast, bist du in der nächsten Runde. Der Zug hat sich gerade gut in Bewegung gesetzt, jedes Kind hat mehr oder weniger einen Sitzplatz gefunden. Für das Baby hast du einen gemütlichen Einzelschlafplatz eingerichtet an dem es selig schlummert. Du sinkst zufrieden in den extra gemütlichen Sitz, genießt die zusätzliche Beinfreiheit und freust dich auf den freundlichen Service-Mitarbeiter, der gleich die großen Kinder mit Bastelmaterial und Stiften versorgen wird. Aber wir sind hier ja nicht zum Spaß. Es war gerade so gemütlich, dass du das fast vergessen hättest. Artgenossin Nr. 2 pirscht sich heran. Sie hat den schlafenden Nachwuchs gesichtet und kann ihrem Einmischungsinstinkt nicht widerstehen. Es handelt sich um ein sehr ängstliches weises Exemplar. Sie kann auf ihren reichen Erfahrungsschatz von 20 Jahren Bahnfahren zurück blicken und führt laut und unmissverständlich aus, dass es ihre Pflicht ist Dich darauf hinzuweisen, dass sich Dein schlafender Nachwuchs in Lebensgefahr befindet. Sollte der Zug einmal eine Vollbremsung machen….. sie malt es in allen Farben aus, die ihrem Denken zur Verfügung stehen, was dann passieren kann. Wenn du freundlich lächelst, deine Betroffenheit über die ständig lauernden Gefahren des Alltages zum Ausdruck bringst und noch um ihre fachfrauliche Einschätzung bittest, für den Fall dass der Zug während der Fahrt von einem Kometensplitter getroffen wird, dann hast du auch diese Prüfung bestanden. 

Third one: Nun kommt das Finale. Dem Bordrestaurant ist die Apfelschorle ausgegangen. Die Verzögerung beträgt mittlerweile 2einhalb Stunden. Die innere Uhr Deiner kleinen Reisebgleiter ist bereits auf ANKUNFT eingestellt. Die zur Verfügung stehenden Joker in Form von Eis, Apps für Dreijährige, Landschaftssuchspiele und Toilettengänge sind ausgeschöpft. Wenn du es nun schaffst, nicht auszuflippen ist die Zeit für die Wende gekommen. Und die kann dann z.B. so aussehen:

Die beiden Plätze gegenüber werden frei und Max und sein Vater steigen ein. Zwei herrlich lockere und nette Kerle. Wir tauschen iPhone Ladeplätze gegen Kinder und Max ist ganz allerliebst mit dem Baby. Die verbleibende Fahrt verläuft so gut, dass man es glatt harmonisch nennen könnte. Beim Ausstieg am Kölner Hauptbahnhof wird es noch mal ein bisschen wuselig. Plötzlich sind Max und sein Vater verschwunden. Ich bin ein bisschen traurig darüber. Wie gerne hätte ich Max noch gesagt, was für ein toller Kerl er ist und wie schön diese Begegnung mit Ihnen beiden war. In diesem Moment wurde es war. Man trifft sich tatsächlich mindestens zwei Mal im Leben. Dann, wenn es drauf ankommt. Wir begegnen uns beim Sekt für Sieger, Kakao und Sandwiches in der DB-Lounge an Gleis 1. “Darf ich ihn noch einmal streicheln?” fragt Max mit liebevollem Blick und das Baby freut sich. Wir haben noch Zeit die Blogadresse auszutauschen, bevor wir die letzen Meter unserer achteinhalb stündigen Survival-Bahnreise antreten. Max und sein Papa, es war schön Euch zu begegnen. Wir wünschen Euch ganz viel Spaß und Freude im Leben!

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3 thoughts on “Danke Max – DB advanced

  1. Ach schwesterlie, wie schön es doch immer wieder ist von deinen AbenteuerGeschichten zu hören. Warte grade auf mein Shuttle zum airport und genieße es.deinen blog zu lesen 🙂 toll dass du Max &seinen Papa so zu schätzen weiß, Menschen sollten sich viel öfter so begegnen 🙂 ich warte sehnsüchtig auf deinen nächsten Eintrag und auf den Tag an dem ich wieder nach Hause komme und euch alle in den arm nehmen kann 🙂 achja und nebenbei: der australische Dschungel ist nichts gegen das was du da erzählst 😉 hier gibt es nämlich zum Glück keine nervigen besserwisser 😀

  2. Hihi,
    für Außenstehende sehr lustig zu lesen. Du hast nicht wirklich nach dem Kometensplitter gefragt oder? Ich fall gleich von Sofa und wünsche Euch eine erholsame Nacht
    liebe Grüße
    Dein Landei
    PS: Kängurubaby in Hängematte sieht zum dahinschmelzen aus…

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