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Ein (leerer) Terminkalender ist ein guter Kalender

Eine der häufigsten Beziehungsstörer zwischen Eltern und Kinder sind “Los-beeil-dich-Situtationen”. Die Minuten zwischen Tür und Angel, wenn uns die ungewollte Ungeduld packt, weil es einen Termin einzuhalten gilt bei dem wir uns auf gar keinen Fall verspäten wollen. Manchmal spielen dabei feste Uhrzeiten zum Mittagessen bei den Schwiegereltern in der gleichen Liga wie der Zahnarzttermin für alle. Selbst bei einem noch so großzügig geplanten Zeitpuffer, kann eine Diskussion um die Auswahl der Schuhe, ein eingeschobenes “Ich muss mal”, ein verlängerter Vormittagsschlaf oder ein verschwundenes Lieblingsteil alle elterlichen Pläne zunichte machen.

Das ganze Szenario multipliziert mit der Anzahl der Kinder ergibt eine Gleichung mit sehr sehr vielen Unbekannten. IMG_4945

Wenn an einem Tag mehrere Termine zu bewältigen sind und dass auch noch mit einem Stillbaby, dann ist Familienfrust nahezu vorprogrammiert. Entsteht Zeitdruck,  bekommen das meist alle Beteiligten zu spüren. Manchmal reagieren Kinder gerade dann mit dem, was die Eltern dann aus der Fassung bringt: Verzögerungstaktik. Mama wird ungeduldig, sie sieht die Zeit weg rennen. Das Kind zieht eine Schnute, will sich nicht anziehen. Während die Mutter genervt die wieder ausgezogenen Schuhe zusammen sucht, fängt das Baby im Maxi Cosi an zu weinen. Die unruhige Situation behagt ihm nicht. Es will am liebsten ganz schnell an die Brust – Sicherheit tanken. “Jetzt bloss flott ins Auto”, denkt die Mutter, “da schläft das Baby bestimmt gleich wieder ein”. Die große Tochter reißt plötzlich das Ruder rum. Die Situation kommt zum Stillstand: “Was ist wichtiger Mama, das man pünktlich ist oder dass man isst wenn man Hunger hat?”

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Klarer Fall: das Kind hat uns alle zurück ins hier und jetzt gebracht. Weg von dem Moment, der sowieso noch in der Zukunft liegt. Wenn es bei uns morgens mal drunter und drüber geht, rufe ich in der Schule an und sage, dass ich seit 20 Minuten den Hausschlüssel suche und wir erst los gehen können, wenn er gefunden ist. Bei Familienfeiern sagen wir , dass man mit dem Essen nicht auf uns warten soll, wenn wir nicht rechtzeitig da sind. Das erspart Frust und Schlechte Laune. Manchmal sind wir auch unerwartet gut in der Zeit, sitzen alle gut gelaunt im Auto und freuen uns, dass alles so prima geklappt hat.

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Am liebsten sind mir die Tage, an denen wenig vorbestimmt ist. Vielleicht eine Verabredung  am späten Vormittag oder Chorprobe am Abend. So kann ich mich morgens am besten auf den Tag an sich freuen. Ich frage mich dann, welche wunderbaren unvorhergesehenen Begegnungen es geben wird. Wie bietet sich der Tag uns an. Welche Stimmung drückt das Wetter aus? Was will mein Baby heute entdecken? Wenn die Nacht unruhig war, dann sorgt es mit langen Stillzeiten für ausreichend Ruhe für uns zwei.

Die beiden großen Geschwister lieben es, wenn keine Termine anstehen. Besonders das Schulkind braucht viel Raum um am Nachmittag all seine Ideen und kreativen Gedanken in die Tat umzusetzen. Einmal die Woche Schwimmkurs ist vollkommen genug für die große Schwester. Sie kann ihre Bedürfnisse nach Aktivitäten und Ruhezeiten schon sehr gut in Worte fassen.

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Und das können die ganz Kleinen auch. Wie zum Beispiel  Josephine, die neun Monate alt ist. Als ich mit ihrer Mama  zum Frühstück verabredet war, hat Josephine noch so schön geschlummert. Also sind wir eben eine dreiviertel Stunde später zum Café los spaziert. Kein Problem, wenn nicht noch drei andere Termine im Tagesablauf lauern. Es ist so schön, sich mit den Kindern einfach treiben zu lassen, ihren Rhythmus anzunehmen und sich  so den Tag von ihnen “diktieren” zu lassen. Das tut meistens sehr gut. Viel mehr als man sich vorstellen kann.

Wohlfühlformel: Ein guter Terminkalender ist gerade nur so gefüllt, dass man sich ohne Stilldemenz alle Termine  merken könnte und nicht aufschreiben bräuchte. Das entspannt Eltern und Kinder und wenn es dann mal wirklich drauf ankommt, klappt´s auch mit dem Zahnarzt.

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One thought on “Ein (leerer) Terminkalender ist ein guter Kalender

  1. Das hast Du wunderschön geschrieben,
    es ist genauso so…
    trotzdem ein kleines aber
    wenn man berufstätig ist kann man nicht bei allen Terminen einfach mal zu spät kommen. Da ist dann etwas mehr Organisationsfähigkeit gefragt, seufz.

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