Home » Heart to heart - nursing, baby wearing and more » Froh auf´s Klo – das mag der Po

Froh auf´s Klo – das mag der Po

IMG_4531

Zufrieden rollt unser Baby  auf dem Boden hin und her, lässt sich  von den großen Geschwistern Autos, Bauklötze und andere Herrlichkeiten herbei bringen. Er genießt sichtlich die Aufmerksamkeit seiner beiden größten Vorbilder. Bruder  und Schwester beobachtet der Kleinste noch intensiver und akribischer in ihrem Tun als Mama und Papa, so scheint es mir. In Gedanken ist er längst einer von ihnen. Rennt hinterher wenn sie hinunter in de Hof laufen. Wissbegierig saugt er Tag für Tag alles in sich auf, was er dafür braucht.

Wer ein Baby ganz genau beobachtet, stellt fest, dass diese kleinen Menschen den ganzen Tag intensiv arbeiten. Sie studieren, analysieren, verknüpfen, schlussfolgern, reproduzieren und praktizieren von morgens bis abends. Dabei sind sie auf unsere Aufmerksamkeit für ihr Tun angewiesen, damit wir ihnen beizeiten helfen, wenn sie uns brauchen.  Der Tag an dem ich bemerkte, dass mein Sohn ganz deutliche Bescheid sagt wenn er Pipi muss, war ein Schlüsselerlebnis. Bisher konnte ich mit dem Begriff “Windelfrei” nicht soviel anfangen. In Artikeln hatte ich von definierten Zeiten gelesen, zu denen die Kinder abgehalten werden sollen. Ständig Tupperdosen dabei zu haben um kleine und große Geschäfte unterwegs darin aufzufangen – mit dieser Vorstellung konnte ich nicht so viel anfangen. Alles in allem hatte ich sogar die Sorge, das Kind könne sich unter Druck gesetzt fühlen.

Wir verwendeten also unsere Stoffwindeln, die von Natur aus einen recht häufigen Windelwechseltakt vorgeben und ich arrangierte mich mit den ständig behangenen Wäscheständern in unserem Badezimmer. Bei längeren Ausflügen, auf Reisen oder in der Nacht benutzen wir Wegwerfwindeln. Meist mit einem blöden Gefühl verbunden, denn ich weiß, dass er die nicht besonders gerne mag (mal ganz abgesehen von den Müllbergen, die sie verursachen).

Welcher erwachsene Mensch würde freiwillig tagein tagaus in einer Plastikwindel herum laufen? Frauen, die schon mal Plastikbinden während ihrer Periode benutzt haben, wissen wie fies dieses Gefühl in der Unterhose ist. Es ist doch immer irgendwie schwitzig und unangenehm, egal wie ultradünn, microsoft oder absorbierend die tolle Oberfläche mit Chemiefüllung daherkommt. Nun stellt euch mal vor, ihr seid bis zum Bauchnabel vorne und fast bis zum mittleren Rücken hinten in so etwas eingewickelt. Und statt mit selbstklebenden Streifen in der Unterhose wird dieses Teil mit zwei fetten Klettverschlüssen vorne zugezurrt, damit auch ja nichts an der Seite rauslaufen kann.

Als unser Sohn 7 Monate alt war und ich während den langen gemeinsamen Mahlzeiten auf dem Wohnzimmerfußboden seine Mimik und Gestik als Reaktion auf die neuen Speisefreuden studierte, kam eines Tages der Moment in dem er mich so anschaute, die Stirn in Falten legte und plötzlich die gute Laune in einen Jammerton umschlug. Dieses Phänomen hatte ich schon so oft erlebt. Wie viele Male hatte ich mich gefragt, was los ist und erst mal die Brust angeboten. Er zeigte mir in diesen Momenten mehrfach, dass ich damit nicht seinem eigentlichen Wunsch entsprach. Nach einigen Minuten hin und her winden auf meinem Arm, wildem Gezappel und lauter Beschwerde wurde er wieder ruhiger. Manchmal schaute er dabei ein wenig vorwurfsvoll.

“Mein Baby, es tut mir leid, dass ich Deine Zeichen nicht verstanden habe für so lange Zeit.

Ich bin unendlich stolz auf Dich, dass du so hartnäckig warst und 7 Monate vertrauensvoll auf den Augenblick gewartet hast,

in dem ich Deine Sprache spreche.

Du willst nicht im Nassen sitzen. Du magst auch nicht dieses einengende Paket um die Hüften tragen.

Du möchtest, dass wir  Dich halten, wenn du einfach nur Pipi machen willst,

 Nun will ich Dir helfen, das zu tun was Du Dir schon so lange wünschst.”

An diesem Tag, in diesem Moment auf dem Wohnzimmerfußboden wo wir zwischen zermatschten Reiskörnern saßen, verstand ich endlich was zu tun war. Ich nahm mein Baby hoch und trug ihn ins Badezimmer. Ich hielt ihn über das Waschbecken. Über den Spiegel sahen wir uns an. Er lächelte zustimmend und pieselte. Und das war auch schon das ganze Geheimnis. Seitdem wissen wir alle Bescheid. Sogar die Geschwister erkennen nun schon seine Zeichen und machen Meldung wenn der allerkleinste Bruder mal muss.

Praktisch

funktioniert das ziemlich einfach und unspektakulär. Wir verwenden weiterhin unsere Stoffwindeln von Storchenkinder und lassen nun einfach die Wollhosen weg. So ist die Windel nur wenig dicker als ein normales Unterhöschen, fängt aber eine Ladung Pipi auf, wenn doch was hinein geht. Gleichzeitig ist das Bindebändchen schnell geöffnet, wenn das Baby sich meldet und zur Toilette muss. Aktuell brauchen wir ca. 1-2 Windeln am Tag (im Gegensatz zu vorher, da waren es 6-8). Das bedeutet als Nebeneffekt viiiiieeeel weniger Wäsche – juchu!!!! Wegwerfwindeln versuchen wir so gut wie gar nicht mehr zu verwenden. Sie sind nur noch der “Joker” für längere Autofahrten – Pipi im Kindersitz muss wirklich nicht sein. Dem beuge ich gerne doppelt und dreifach vor. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich erst gar nicht in Betracht ziehen muss, das Ding auseinander zu bauen um den Bezug zu waschen 😉

Zuhause

trägt das Baby meistens nur Stulpen und das Windelhöschen. So geht das an- und ausziehen unkomplizierter.  Manchmal laufen wir nämlich ganz schön oft. Da wäre es mir zu aufwendig jedes Mal das ganze Kind zu entkleiden. Außerdem merke ich es so direkter, wenn doch mal was in die Hose geht. Die Kinder können problemlos 1-2 Minuten warten, nachdem sie sich gemeldet haben. Bei uns klappt es manchmal sogar noch ein bisschen länger. Er lässt uns bis zu fünf Minuten Reaktionszeit.

IMG_4529

Unterwegs

ziehe ich eine normale Hose drüber, evtl auch eine Wollhose. Draußen muss er meistens seltener als zuhause. Die Sache mit den Tupperdosen finde ich immer noch doof. Wir benutzen einfach die Grünflächen und Bäume, die sich so anbieten. Ich halte mein Baby dann so, dass es ein bisschen geschützt ist vor direkten Blicken auf seinen Popo. Es gefällt ihm, wenn er sich einigermaßen ungestört fühlt. In Cafés klappt es auch prima auf der Toilette. Dort dauert es meist ein paar Minuten länger, weil es eine neue spannende Umgebung zu entdecken gibt. Da vergisst er schon mal für den ersten Moment, warum wir hier sind.

Mitmachen

geht ganz einfach und unverkrampft. Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, dass jedes Kind etwas anders auf eine nasse Hose reagiert. Ich kann mich auch nicht mehr genau daran erinnern, wie das bei meinen ersten beiden war. Ich weiss noch, dass die große Schwester sich gerne in eine Ecke zurück gezogen hat um in die Windel zu machen, als sie etwa ein Jahr alt war. Der kleine Bruder hat sich immer einmal kurz geschüttelt bevor er Pipi machte. Damals bin ich nicht auf die Idee gekommen, einfach mal direkt darauf zu reagieren. Beim Kleinsten dachte ich bis zum Tag der Erleuchtung oft an Bauchweh, wenn er so plötzlich gejammert hat. Ganz klar ein Missverständnis. Seine Arm- und Beinbewegungen dabei waren dem Verhalten, das man von plötzlichen Koliken kennt, sehr ähnlich. Wer weiss, wie viele Kinder sich auch auf diese Weise bemerkbar machen wollen. Einfach mal beobachten. An das Märchen von der Schließmuskelkontrolle, die angeblich auf wunderbare Weise irgendwann zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr erlangt wird, glaube ich jedenfalls nicht mehr. Kinde können vom ersten Augenblick an Essen, Schlafen und sich verständigen. Die Entleerung ist schließlich bloß das Gegenteil von der Nahrungsaufnahme und genau so überlebenswichtig.

Die Dinge und Wahrheiten, die sich aus dem direkten Umgang mit dem Kind erschließen sind mir immer noch am Liebsten. Das Tollste daran: Je mehr es werden umso sicherer wirst Du in Deinem täglichen Denken und Handeln als Mutter. Diese unbezahlbare Sicherheit kriegst Du ganz einfach dazu geschenkt, wenn Du Dich dem Tanz mit Deinem kleinen Zauberer mit ganzem Herzen hingeben willst. Dann gibt es auch keine weiteren Fragen. Die beantworten sich von selbst.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s