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Verliebt beim Friseur

Wie gestern Abend beim Elternstammtisch beschlossen, erschien ich heute morgen um 7:45 Uhr in der Klasse 1c. Auf dem Weg dorthin fuhr Paulas Mutter mit dem Auto an mir vorbei und flötete aus dem Fenster: “die Kundin wartet schon”. Wir lachten beide und sie fuhr davon.

Fröhlich die Haarbürste schwingend begrüßte ich die Mädchen in der Klasse. Lustig war es gestern Abend beim Elternstammtisch zugegangen. Wir sprachen über Haare und Frisuren. Über Kinder, die sich nicht gerne frisieren lassen, wenn man ihnen die schönsten Zöpfe verpassen will. Über Töchter, die sich tolle Flechtfrisuren wünschen von Müttern, die diese Frisurenkunst (noch) nicht beherrschen.

Nun hatten sich Paula und Caroline von mir einen “Termin” geben lassen. Frisierstunde im Klasenzimmer vor Schulbeginn. Carolines kleines Zöpfchen war schnell geflochten. Dann war Paula an der Reihe. Sie breitete ein ein gutes Duzend Glitzerspangen auf ihrem Tisch aus, während ich einen Kranz um ihren Kopf zu flechten begann.

Mittlerweile hatte sich eine beachtliche Mädchentraube um uns herum gebildet. Paula genoss die ihr zugedachte Aufmerksamkeit. Auch ich genoss die ehrlichen Freundlichkeiten der kleinen Klassenkameradinnen: “Ist das deine Schwester?” (ja, die Frage wurde tatsächlich gestellt und ich freue mich immer noch daran:-) “Boaaaa, sieht das schööön aus. Paula, du wirst eine richtige Prinzessin.”

Währenddessen trudelte meine Tochter im Klassenzimmer ein. Wir tauschten einen liebevollen Blick aus. Und ich glaube, sie war ein bisschen froh, dass nun endlich mal jemand anderes leiden musste, denn ein bisschen ziepen tut es ja doch immer.

Paula blieb tapfer und hielt still. Aber nur den Kopf, keineswegs den Mund. “Bist du eine richtige Friseurin?” “Was ist denn dein richtiger Beruf?” Dann von der anderen Seite: “Du bist Vikis Mama.” Richtig. Also mit mangelnder Unterrichtsbeteiligung ist in dieser Klasse nicht zu rechnen, so vermute ich. “Ich bin keine Friseurin von Beruf. Ich bin eine Hebamme.”

Mindestens fünf fragende Gesichter: “Häääää…..”
Ok, ich muss hier WIRKLICH mal eine Stunde Nachhilfe geben. Paula weiß wenigstens Bescheid. Sie plappert ununterbrochen. Sie weiß was eine Hebamme macht und erzählt noch mehr interessante Dinge. “Meine Mutter, die kann keine Frisuren machen. Meine Mutter ist in ihren Friseur verknallt.”

Ab jetzt frisiere ich Mittwochs und Freitags. Einen amüsanteren Start in den Tag kann ich mir kaum vorstellen.

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